Hochtour Großglockner in Zeiten des Klimawandels
, Peter mit Sophie- Besteigung Großglockner über das Kodnitzkees und den SE-Grat (neuer Normalweg)
- Informationen und Hinweise
Es gibt ja schon ein paar Berichte zur Besteigung des Großglockners auf unserer Seite, so z. B. die Eine oder Andere Skitour oder die gemeinsame Begehung des Stüdlgrates im Winter mit Barbara. Nach insgesamt 5 Gipfelerfolgen, möchte man meinen, den Berg und seine gängigen Touren zu kennen, aber der Klimawandel und der Extrem-Sommer 2026 haben auch die Bergwelt und die Routenführungen nachhaltig verändert. In Bezug auf den Großglockner heißt das, dass der 'alte Normalweg' über das Kodnitzkees, zunehmend steinschlaggefährdet ist, und hier eigentlich der sog. Mürztaler Steig zu bevorzugen wäre. Aber auch oberhalb der Adlersruhe tut sich einiges. Das Glocknerleitl ist zumindest ab dem Spätsommer blank und die danach folgende Eisrinne aper und steinschlaggefährdet. Die Kalser Bergführer haben deshalb den Normalweg nach unten über den Südostgrat verlängert, und so nun eine Möglichkeit geschaffen den Berg im Sommer, ab der Adlersruhe, komplett ohne Steigeisen und auch mit wesentlich weniger Risiko von Steinschlag, zu besteigen. Genau aus diesem Grund gibt es jetzt wieder einen Bericht dazu, der dir Informationen und Eindrücke zu diesen neuen Aufstiegsvarianten bieten soll!
Diesmal stand die Besteigung als Vater-Tochter Erlebnis am Programm. Mein Vorschlag vor ein paar Wochen, diese Tour gemeinsam zu unternehmen, wurde von Sophie mit Begeisterung angenommen. Wir planten die Tour für die letzte Ferienwoche, da ich Urlaub haben würde, und Sophie noch nicht 'verplant' war ;-). Der Wetterbericht versprach für Dienstag den achten September einen perfekten Tag - danach sollte eine Schlechtwetterfront über Österreich ziehen. So machten wir uns am Montag auf zum Luknerhaus und stiegen 'gemütlich', wenn man die ehrgeizige Jugend im Zaum halten kann, zur Stüdlhütte auf.
, Besteigung Großglockner über das Kodnitzkees und den SE-Grat (neuer Normalweg)
Auf der Stüdlhütte gibt es Frühstück von 5 bis 7 Uhr, somit verteilen sich die Starts der einzelnen Gruppen etwas und es sollte zu weniger Staus an den neuralgischen Punkten kommen. Wir planten den Aufbruch für 6 Uhr, da wirds um die Jahreszeit gerade hell und man spart sich die Stirnlampe. Die meisten sind schon unterwegs, so machen wir uns einsam auf den Weg zum Kodnitzkees. Die Infotafel mit der Empfehlung den Mürztaler Steig zu nehmen, sehe ich zwar, aber nach fünf Glockner-Besteigungen, war ich der Meinung den 'richtigen' Weg schon zu kennen ;-) Wir steigen über den ausgetretenen Wanderweg Richtung Kodnitzkees auf. Etwas spanisch kommt es uns dann schon vor, dass wir nur eine Zweiergruppe vor uns am Gletscher sehen. Und selbst diese scheint sich nicht sicher zu sein, wo es denn jetzt hoch gehen soll. Denn das Kodnitzkees ist blank und speziell an den Randzonen mit Steinen übersäht - ein Zeichen für die Steinschlaggefahr.
Bald wird es Zeit für die Steigeisen, da es in der Nacht doch gefroren hat. Ich wusste zwar, dass es einen Weg auf die Burgwartscharte geben sollte, das sieht aus der Ferne nicht einfach aus. Es ist aber tatsächlich so, dass es dort einen Klettersteig gibt, mit dem man die Scharte erklimmen kann, welcher Teil des Mürztaler Steigs ist. Eindrücke wie der Anstieg von dort über den Mürztaler Steig aussieht findest du hier. Diese Variante ist aus meiner Sicht vor allem ab dem Sommer, wenn das Kodnitzkees aper ist, die sicherste Variante um zur Adlersruhe zu gelangen.
Aber wie schon gesagt, wir sind uns nicht sicher, ob es irgendwie in die Burgwartscharte hoch geht, und beschließen deshalb dem 'Normalweg' zu folgen. Wir halten uns primär im zentralen Teil des Gletschers auf, wo weniger Steine herum liegen. Wo der Gletscher steiler wird, müssen wir ein paar größere Gletscherspalten überwinden. Als wir in diesem Bereich sind, sehen wir eine Gruppe, die in unsere Richtung über den Felsriegel rechts der Engstelle des Kodnitzkees absteigt. Dort müsste es also gehen. Kurz darauf sieht Sophie auch schon die Leiter und den Beginn des kurzen Klettersteigs, der hier den Aufstieg auch im Sommer ermöglicht. Dieser umgeht, zumindest so gut wie möglich, die starken Steinschlagzonen. Bald erreichen wir die Gruppe. Hier erfahren wir auch, dass sie oben über den 'Grat' gegangen wären, und bis zum Gipfel ohne Steigeisen gehen konnten. Sophie und ich machen uns auf über den Klettersteig, direkt nach der Leiter, ist der gleich mal leicht überhängend, auch der Rucksack zieht nach unten.
Da Sophie aber durchs Bouldern fit ist, ist es zwar spannend aber körperlich kein Problem. Nach etwa 20 bis 30 Metern wird der Klettersteig einfacher und bald erreichen wir das Kampl und somit den weiteren Aufstieg zur Adlersruhe.
Auf der Adlersruhe gibts eine kleine Pause. Ich frage einen Bergführer bzgl. des von der Gruppe erwähnten Aufstiegs. Ich erfahre, dass das der Südostgrat ist und sozusagen der neue Normalweg von der Adlersruhe. Der Weg ist gleich gut mit Eisenstangen und Bohrhaken eingerichtet wie der obere Teil, den man auch über das Glocknerleitl und die Steilrinne erreicht. Vom Bahnhof auf etwa 3500 Meter Höhe führt die Route über den Südostgrat bis zum Sattel in ca. 3700 Metern Höhe wo der alte Normalweg über das Eisleitl hoch kommt.
Steigeisen brauchen wir jetzt tatsächlich nicht mehr und wir deponierten sie auf der Hütte. Wir starten flach Richtung Bahnhof, dort folgen wir den Steigspuren. Wir sehen auch schon einige Gruppen im Abstieg und finden den Einstieg zum Südostgrat leicht. Wir verlängern das Seil soweit, dass wir zumindest immer bei einem Sicherungspunkt einhängen, und trotzdem am laufenden Seil klettern können. Die Kletterei ist wirklich genussreich und verläuft großteils in richtig festem Fels. Wir haben Glück und es sind gerade wenig Leute im Abstieg unterwegs, mit denen es aber zu keinen großen gegenseitigen Behinderungen kommt. Nach einiger Zeit erreichen wir am Sattel den alten Normalweg. Die Rinne ist komplett aper und sieht wirklich grausig aus ... es soll zwar ein paar Fixseile geben, aber der Aufstieg soll, wie wir später von einem anderen Bergsteiger erfuhren, wirklich mühsam sein. Wir erreichen den Kleinglockner und werfen den ersten Blick auf den Gipfel. Auf dem ausgesetzten Grat fühlt sich Sophie, als passionierte Einradfahrerin, gleichgewichtsmäßig wesentlich wohler als ich ;-) Jetzt noch in die Glocknerscharte, mit etwas Gegenverkehr, und dann noch die schöne Kletterei zum Gipfel des Großglockners. Dort sind wir die ersten Minuten alleine, ein sehr schöner Vater-Tochter Moment. Für das Gipfelfoto kommt dann zum Glück ein junges Pärchen über den Stüdlgrat hoch.
Nach einer genussreichen Rast machen wir uns an den Abstieg über den gleichen Weg. Am frühen Nachmittag erreichen wir wieder sicher und gesund die Hütte und genießen unter anderem den wirklich fantastischen Kaiserschmarren auf der Stüdlhütte :-). Wir haben den Schönwettertag wirklich gut genutzt, als wir am nächsten Tag in der Früh ins Tal absteigen, regnet es bereits und am Berg fällt Schnee.
Informationen und Hinweise
Stüdlhütte
Das letzte Mal hatte ich 2003 auf der Stüdlhütte übernachtet. Wir waren wirklich positiv überrascht. Mit Halbpension gibt es ein umfangreiches und sehr gutes Frühstücks- und Abendbuffet. Die Lager sind zwar recht groß, für rund 16 Personen, aber zum Glück sind die Kojen etwas abgetrennt. Bei unserem Aufenthalt war die Hütte zu 2/3 belegt, das ging. Wenn es komplett voll ist, das sind dann 120 Personen, dann wird es sowohl im Aufenthaltsraum als auch im Lager schon kuschelig.
Man kann auch absperrbare Kästen für eine Kaution von 10 Euro nutzen, praktisch wenn man wieder auf die Hütte zurück kommt und wertvolle Gegenstände auf der Hütte zurück lassen möchte. Hüttenschuhe gibt es ausreichend! Der Mobilfunkempfang ist möglich aber nicht sehr stabil. Es gibt ein WLAN, welches 2 Stunden gratis genutzt werden kann, danach kann weitere Online-Zeit gekauft werden.
| Infobox Kontakt | |
|---|---|
| www.stuedlhuette.at | |
![]() | info@stuedlhuette.at |
| Download - Karten, Topos, Tracks ... | |
|---|---|
![]() |
Übersichtskarte alter Normalweg (rot), Mürztaler Steig (grün) |
| Infobox - Weiterführende Links | ||
|---|---|---|
| Stüdlgrat im Winter | Auf den Großglockner über den Stüdlgrat im Winter mit Barbara | |
| Skitour Großglockner 2021 | Skitour Großglockner 2021 mit Barbara | |
| Skitour Großglockner 2003 | Gemeinsam mit Freunden auf den Großglockner | |
| Hochtouren auf strassnig.at | Hier findest Du Berichte von weiteren Hochtouren auf strassnig.at | |

